Wer sich heute Angebote für eine Photovoltaikanlage einholt, stellt fest: Über 80 % der privaten Neuanlagen in Deutschland werden direkt mit einem Batteriespeicher installiert. Ein Speicher erhöht die Unabhängigkeit vom Energieversorger drastisch, da er den tagsüber erzeugten Überschussstrom für die Abend- und Nachtstunden zwischenspeichert. Doch lohnt sich der finanzielle Aufpreis für den Akku auch rein rechnerisch?
Die physikalische Herausforderung: Eigenverbrauch vs. Einspeisung
Eine Solaranlage ohne Speicher hat ein strukturelles Problem: Sie produziert den meisten Strom mittags, wenn die Sonne am höchsten steht. In den meisten Haushalten ist der Strombedarf zu dieser Zeit jedoch gering, da die Bewohner arbeiten oder in der Schule sind. Der Strombedarf peakt morgens und abends.
- Ohne Speicher: Sie können typischerweise nur ca. 30 % des erzeugten Solarstroms direkt im Haus verbrauchen. Die restlichen 70 % fließen für eine geringe Einspeisevergütung (ca. 8 Cent/kWh) ins öffentliche Netz. Nachts müssen Sie teuren Netzstrom (ca. 35 Cent/kWh) zukaufen.
- Mit Speicher: Der Überschuss am Mittag lädt den Akku. Am Abend und in der Nacht versorgt der Speicher Ihre Verbraucher. Ihr Eigenverbrauchsanteil steigt auf 70 % bis 80 % an, was den teuren Netzstrombezug minimiert.
Vergleichsrechnung: PV-Anlage mit vs. ohne Speicher (10 kWp Anlage)
Um die Wirtschaftlichkeit zu verdeutlichen, vergleichen wir zwei Szenarien für ein typisches Einfamilienhaus mit einem Jahresstromverbrauch von 4.500 kWh:
| Kriterium | Anlage OHNE Speicher | Anlage MIT Speicher (8 kWh) |
|---|---|---|
| Investitionskosten (Netto, 0% USt) | ca. 11.500 € | ca. 17.000 € |
| Solarertrag pro Jahr | 9.500 kWh | 9.500 kWh |
| Eigenverbrauchsquote | ca. 30 % (1.350 kWh) | ca. 70 % (3.150 kWh) |
| Eingespeister Strom (EEG-Vergütung) | 8.150 kWh | 6.350 kWh |
| Jährliche Einspeisevergütung (8 ct) | 652 € | 508 € |
| Ersparnis Netzstrom (35 ct/kWh) | 472,50 € | 1.102,50 € |
| Finanzieller Vorteil pro Jahr | 1.124,50 € | 1.610,50 € |
| Amortisationszeit | ca. 10,2 Jahre | ca. 10,5 Jahre |
Die Tabelle zeigt: Die Amortisationszeit ist mit und ohne Speicher nahezu identisch (ca. 10 bis 11 Jahre). Der Grund dafür ist, dass die Speicherpreise in den letzten Jahren schneller gefallen sind als die Modulpreise. Während Sie ohne Speicher eine geringere Anfangsinvestition haben, erzielen Sie mit Speicher eine deutlich höhere jährliche Stromkostenersparnis.
Die mathematische Rentabilitäts-Formel für Speicher
Damit sich ein Stromspeicher innerhalb seiner Lebensdauer wirtschaftlich rentiert, müssen die Kosten für die Speicherung einer Kilowattstunde Strom (die sogenannten Gestehungskosten des Speichers) geringer sein als die Differenz zwischen dem Netzstrompreis und der Einspeisevergütung:
Formel: Speicherkosten pro kWh < Netzstrompreis (35 ct) - Einspeisevergütung (8 ct) = 27 Cent
Moderne Lithium-Eisenphosphat-Speicher (LFP) weisen eine Lebensdauer von rund 6.000 vollständigen Ladezyklen auf. Bei einem 8 kWh Speicher entspricht dies einer Gesamtstrommenge von ca. 48.000 kWh, die über die Lebensdauer von ca. 15 Jahren durch den Speicher fließt. Teilt man den Anschaffungspreis des Speichers (ca. 5.500 €) durch diese Strommenge, ergeben sich Speicherkosten von ca. 11,5 Cent pro kWh.
Da 11,5 Cent deutlich unter den einzusparenden 27 Cent liegen, ist der Speicher ein klares Renditeobjekt.
Zusätzliche Vorteile: Autarkie und Notstromschutz
Neben der reinen Wirtschaftlichkeit spielen für viele Hausbesitzer emotionale und technische Faktoren eine Rolle:
- Erhöhter Autarkiegrad: Sie machen sich unabhängig von den Preissteigerungen der großen Energiekonzerne. Mit einem passenden Speicher erreichen Sie eine Unabhängigkeit von bis zu 80 %.
- Notstrom- / Ersatzstromfähigkeit: Standard-Wechselrichter schalten sich bei einem Stromausfall im Netz aus Sicherheitsgründen ab. Hochwertige Hybridsysteme (z.B. von Fronius oder Senec) bieten eine Notstromsteckdose oder können das gesamte Haus bei einem Blackout dreiphasig und inselnetzfähig weiterversorgen.